PAUL KLEE, DIE VEKTORFELDER UND EINE KANU-TOUR

Bericht von der Deutschen Schülerakademie in Roßleben (Sommerferien 2019)

„In den Ferien nochmal zur Schule gehen? Wieso tust du dir das freiwillig an?" ist wahrscheinlich der häufigste Kommentar darauf gewesen, dass ich dieses Jahr an der Deutschen Schülerakademie (DSA) in Roßleben teilgenommen habe. Ich kann nur sagen: Es hat sich gelohnt!

Bei der Hinfahrt nach Thüringen waren es 30 Grad Außentemperatur und in meinem Abteil fiel natürlich die Klimaanlage aus. Zum Glück traf ich bereits im Zug zwei Mädchen aus meinem Kurs, mit denen ich mich sofort gut verstand.

Im Internat der Klosterschule angekommen lernten wir uns zunächst im Innenhof etwas kennen. Mit knapp 100 Schülerinnen und Schülern zwischen 15 und 19 Jahren, auch aus deutschen Schulen im Ausland, hatten wir anschließend unser erstes Treffen in den zuvor gewählten Kursen. Am Abend stellten sich alle Kursleiter in einem großen Plenum vor.

Die darauf folgenden 16 Tage hatten meist einen sehr geregelten Tagesablauf. Von 7:30 Uhr bis 8:30 Uhr Frühstück, dann Plenum, dann die erste Kursschiene. Zwischendurch dann noch eine sogenannte KTM – Kaffee-Tee-Milch-Pause, um den Koffeinhaushalt wieder aufzufrischen, der nach immer länger werdenden Nächten stark ausgelastet wurde. Das erste „Highlight" war am ersten Dienstag, als wir zwischen fünf Exkursionen wählen konnten. Zur Auswahl standen eine Wanderung, eine Fahrrad- sowie eine Kanutour und ein Tagesausflug nach Weimar oder zur Gedenkstätte Buchenwald.

Der Name meines Kurses lautete „Pfeile bei Paul Klee. Glatte und diskrete Vektorfelder in der Kunst". Wir versuchten eine Verbindung zwischen den augenscheinlich gegensätzlichen Themenfeldern Mathe und Kunst herzustellen, wozu wir uns in der ersten Woche hauptsächlich mathematische Grundlagen aneigneten. Das Niveau bewegte sich ungefähr auf Universitätslevel, weshalb unseren Kursleitern teilweise viel Geduld für unsere Nachfragen abverlangt wurde. In der zweiten Woche konnten wir selber tätig werden und unsere neu erworbenen Kenntnisse in einem frei wählbaren Kunstprojekt umsetzen. Dabei teilte sich der Kurs in zwei Gruppen, wobei die erste mit Pinsel und Leinwand arbeitete und die zweite, zu der ich gehörte, programmierte. Ich habe mit vier weiteren Kursteilnehmern die Idee gehabt, das Gravitationsfeld zwischen Erde und Mond mit Vektorpfeilen zu visualisieren. Dazu mussten wir uns jedoch alle zunächst Grundlagen der Programmiersprache Javascript beziehungsweise des Frameworks CindyJS aneignen, mit welchen keiner von uns Fünfen Vorerfahrung hatte. Wir wurden dabei immens von unserem Kursleiter Martin unterstützt, der neben Mathematik auch Informatik studiert hat und uns somit von seinen Kenntnissen profitieren lassen konnte. Am Ende haben wir ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis erreicht, das wir auch den anderen Kursen präsentiert haben.

An den Nachmittagen und Abenden gab es kursübergreifende Angebote, die sogenannten KüAs, und Workshops, die von verschiedenen Teilnehmern angeboten wurden – zum Beispiel ein Tanzkurs, ein Arabisch- und andere Sprachkurse, verschiedene Sport- und Kreativangebote sowie politische Diskussionen. Außerdem wurden ein Orchester und ein Chor gegründet, mit dem wir gegen Ende der Akademie ein öffentliches Konzert gegeben haben.

Ich habe in den 16 Tagen an der Klosterschule viele nette, einen Haufen coole und ein paar verrückte Leute kennengelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich bin froh, diese Chance bekommen zu haben, da ich unglaublich viel aus dieser kurzen Zeit mitgenommen habe. Ich kann Jedem, der auch diese Möglichkeit bekommt, nur empfehlen, diese zu nutzen. Oder, um es mit dem Leitspruch meines Kursleiters Martin zu sagen: „Gönn dir!"

Raphael Mergehenn (16 Jahre), Q2

Tipp: Im Januar startet das Bewerbungsverfahren für die Schülerakademie 2020. Weitere Infos unter https://www.deutsche-schuelerakademie.de/dsa/dsa-bewerbungsverfahren

   
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