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06-09-2010

21:39:18
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Aktivitäten
 
» Austausch
Reise ins Ungewisse Schüleraustausch 2000 Naperville Central High School - Humboldtgymnasium Solingen
Welche deutsche Schule hat schon Türsteher?
Dieses Jahr konnte es kein Schüleraustausch im eigentlichen Sinne werden, da ein Gegenbesuch amerikanischer Schüler von vorne herein nicht möglich war. Auch genügend amerikanische Gastfamilien für unsere zahlreichen Bewerber zu finden, stellte sich als schwierig heraus. So fuhren letztendlich nur 15 Humboldtler unter fürsorglicher Begleitung von Mrs. Drammer und Mr Falkner in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auf jede dieser Möglichkeiten in Vortreffen intensiv vorbereitet, flogen wir voller Erwartungen im April 2000 Richtung Chicago. Wir wollten unsere Vorurteile gegenüber Amerika abbauen, aber auch die der Amerikaner Deutschland gegenüber. Wir wollten endlich sehen, wie es wirklich ist.

Sollte das Highschool-Leben wirklich so spannend und dramatisch sein wie in „Dawsons Creek“, „Beverly Hills 90210“ oder gar „American Pie“ ? - Nicht wirklich !!!

Schule ist immer noch Schule, hier wie dort, auch wenn es kleine Unterschiede gibt. So waren wir zum Beispiel davon begeistert, dass man als amerikanischer Schüler Fächer wie Kfz-Me-chanik, Psychologie, Goldschmiederei oder Arbeit mit Behinderten wählen kann. Auch die Ausstattung der Schule in Naperville beeindruckte uns. Wir verliefen uns zwischen riesigen Sportplätzen, Schwimmhallen, Krafträumen, Musiksälen mit Tonstudio und endlos vielen Computern mit Internetanschluss, die für jeden Schüler zugänglich sind. Etwas geschockt waren wir jedoch von dem teilweise sehr niedrigen Unterrichtsniveau in Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen. Auch die strikten Sicherheitsmaßnahmen waren für uns ungewohnt.

Die vielen Menschen, denen wir begegnet sind und die wir ein kleines Stück weit kennenlernen durften, sind uns insgesamt gesehen sehr offen und interessiert entgegengetreten. In der Schule, im Unterricht sowie auch in den Gastfamilien. Betraten wir eine Klasse zum ersten Mal, kamen wir uns oft vor wie Exoten. Fragen wie: „ Habt ihr in Deutschland auch Mikro-wellen?“, oder: „Gibt es bei euch McDonalds ?“ waren nicht selten. Die Frage: „How are you?“ hörte man oft, war aber selten ernst gemeint; meist wurde nicht einmal eine Antwort erwartet. Im Familienleben war ein bisschen Anpassung gefragt, aber das fiel im Großen und Ganzen nicht schwer. Man musste halt die Initiative ergreifen und fragen, wenn man etwas wollte. Auch wenn es darum ging, irgendwo hingefahren zu werden ( man ist als Teenager aufgrund langer Distanzen aufgeschmissen) musste man seine Gasteltern darum bitten.

Auf unserem Programm standen ein Besuch im Fire- sowie Police-Department, ein Meeting mit dem Bürgermeister, der uns alle zu Ehrenbürgern der Stadt Naperville erklärte und ein Gang durch den historischen Park „Naper Settlement“.
Natürlich waren wir auch mehrmals in Chicago, das nur eine halbe Zugstunde entfernt war. Dort durften wir zu Fuß, in Kleingruppen von mindestens drei Personen, oder einer Gesamtgröße von 3,70 m, auf Entdeckungstour gehen. Wir besichtigten Museen und andere Attraktionen wie zum Beispiel Mr. Falkner im 50er-Jahre-McDonalds! Am Wochenende sind wir sogar mit einem original Peanuts-Schulbus und einigen Gastfamilien auf ein Baseballspiel der „Chicago Cubs“ gefahren. Bei Hot-Dogs und literweise Pepsi bzw. Dr. Pepper kamen wir uns sehr amerikanisch vor. Leider mussten wir wegen starker Kälte das Stadion frühzeitig - schon nach drei Stunden - verlassen.

Schnell gingen die knapp drei Wochen um, und der Abschlussabend rückte näher. So präsentierten wir eine Rockversion von „99 Luftballons“ und „König von Deutschland“, tanzten einen „Charleston“ und zeigten ein kleines Cabarett-Stück. Danach ging es auf eine Privatparty mit Softdrinks und Crackern ( auch mal eine Erfahrung).

Am nächsten Morgen gab es ein kurzes „Good Bye“, und schon waren wir auf dem Weg nach New York.
Unsere Bleibe, das YMCA, entsprach leider nicht ganz unseren Vorstellungen, da unsere Zimmer kleine Zellen von ca 8 qm und ohne zu öffnende Fenster waren. Dafür war die Lage perfekt, um sämtliche Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen. Etwas übermüdet starteten wir die erste Tour Richtung Broadway, wo wir das Musical „ Riverdance“ sahen. Tja und der Broadway bei Nacht ist schon sehr eindrucksvoll. Die nachmittags noch sehr staubige und laute Stadt hatte plötzlich ein ganz anderes Gesicht. Durch Glimmer und Glitter machten wir uns auf den Weg zurück in unsere Herberge. „Ähm, die wievielte Strasse war das noch mal? Und wo ist eigentlich Mr.Falkner?“ Doch wir fanden uns alle wieder und ließen die Nacht mit YMCA-Flur-Baseball und etwas privateren Videoaufnahmen anklingen.

Am nächsten Morgen Frühstück bei Starbucks Coffee und dann Sightseeing. Dass die U-Bahn streikte und die meisten Halte-stellen geschlossen waren, hatte Mr. Falkner so verwirrt, dass wir ein Spiel starteten: Jeder durfte einmal sagen, wo es lang geht, und wer uns in die Irre führte, war raus! Mrs. Drammer hörte man dann hin und wieder singen: „I'm a German girl in New York“ , doch ein Sonnenuntergang auf dem Empire State Building entschädigte uns für sämtliche Strapazen des Tages.

Den Rest der Zeit gaben wir unser letztes Geld aus und relaxten bei strahlendem Sonnenschein im Central Park. Lifestyle erlebten wir am Washington Square und in Soho. Einmal Miss Liberty ‚Guten Tag’ gesagt und dann war unsere Zeit auch schon vorbei. Viele Eindrücke begleiteten uns auf unserem Weg nach Hause. Und was die Vorurteile angeht, na ja, einige werden sich vielleicht auch bestätigt haben.
„Doch es hat sich gelohnt!“, das würde wohl jeder von uns sagen.

Von Anna van Beekum und Kosima Vogels
( 3,70m Gesamtgrösse)

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